
GESCHICHTE
Knechte mit Familien.
1808 wurde
Pokrzywnica und Serwatków in Höfe geteilt. 1812 erhielt der
Baron Josef Adam von Guttschrieber die Rechte des Dorfes. 1831
Eigentümer wurde Graf von Hochberg.
Das Dorf zählte damals 26 Wohnhäuser und ein Gut.
In dieser Zeit
funktionierte eine evangelische Schule im Dorf, wo ein Lehrer
unterrichtete. Die Bewohner die Katholiken waren, gehörten der
Pfarrgemeinde in Milice an. Pokrzywnica hatte eine Wassermühle,
zwei Windräder und im Wald hinter dem Dorf stand ein
Wirtshaus.
In den folgenden
Jahren hatte Pokrzywnica solche Eigentümer: 1833-1846 Missetius
und Janschw, 1850 Unterleutnant Barchwitz, 1853 Handelsrat
Ernest Heimann.
1847 entstand eine
katholische Schule (Foto 7), die aber nur eine Klasse hatte.
Dort lernten 76 Schüler. 1903 wurde die Schule ausgebaut und
1936 wurde eine neue, größere Schule erbaut, wo unsere Kinder
noch heute lernen (mehr unter Grundschule).
Im Jahr 1861 zählte
das Dorf 102 Wohnhäuser und 94 Landwirtschaftsgebäude. Die
Bevölkerung zählte: 24 Landmänner, 11 Sporen und 56 Heimarbeiter
(was 750 Einwohner ergab), die 2068 Morgen Land
bewirtschafteten. Einige der Landmänner besaßen auch kleine
Waldgrundstücke.
Am 1 Dezember 1876
wurde die Bahnverbindung Kędzierzyn- Racławice Śląskie eröffnet,
mit der Länge von 36,6 Kilometer. Dank dieser Verbindung war
Pokrzywnica etwas näher an der Welt. Ein schöner Bahnhof wurde
gebaut (Foto 8), der leider nicht mehr existiert.
Die weiter
Entwicklung des Dorfes: 1886 136 Wohnhäuser (ca. 966 Bewohner)
1925 stieg die Zahl zu 139 Häusern, in denen 200 Familien
lebten, an (ca. 1053 Bewohner). Das Gut Serwatków zählte 3
Häuser und 51 Bewohner im Jahr 1880.
Ein großes Ereignis
für die Bewohner war der Bau der St. Sebastiankirche, der 1911
endete (Foto 9) (mehr darüber unter Pfarrgemeinde).
Von 1914 bis 1920
wurde die Straße von Cosel durch Więkrzyce- Pokrzywnica nach
Twardawa gebaut.
1920 wurde die
Stromgenossenschaft berufen und der Strom floss am 17 Dezember
1927 zu unserem Dorf.
In den 20er Jahren,
des 20. Jahrhunderts begann die Freiwillige Feuerwehr ihr
Tätigkeit (mehr unter OSP).
Die Notizen in den
Chroniken zeigen, dass im Jahr 1925 34 Bewohner Deutsch
sprachen, Polnisch 519 und 449 Bewohner Deutsch und Polnisch.
Der nächste
Eigentümer war Kommerzienrat Pyrkosch. Er war unteranderem
Eigentümer einer Brennerei in Serwatków ( Foto 10). Sie wurde
wahrscheinlich 1860 erbaut. Als Beweis dient ein Ziegel mit dem
eingebrannten Datum (Foto 11). Interessant ist auch die
Vermischung zweier Sprachen auf dem Ziegel. Der Kommerzienrat
Pyrkosch verkaufte das Gut Serwatków der „Schlesischen
Gesellschaft Serwatków”.
Erwähnenswert ist
auch, dass 1930 nach Serwatków 12 Familien aus Westfallen
zugezogen sind.
1933 befanden sich
im Dorf 207 Bauernhöfe (1166 Einwohner).
1939 brach der
Zweite Weltkrieg aus. In dieser Zeit zählte Pokrzywnica 1253
Einwohner. Die Männer wurden in die Armee einberufen. Leider
sind einige nicht zurückgekehrt. Die Tafeln (Foto 12) mit den
Namen der Gefallenen und Verschollenen befinden sich am
Haupteingang zum Friedhof.
Interessant ist,
dass während des Zeiten Weltkriegs von unserem Glockenturm zwei
große Glocken gestohlen wurden, da es einen großen Bedarf an
Edelmetall gab. Neue Glocken wurden in den 50er und 60er Jahren
gekauft und eingeweiht (Foto 13). Ungefähr in derselben Zeit ist
das Kreuz auf der Spitze der Kirche gebrochen. Der Pfarrer Józef
Lampka engagierte eine Firma, die die Kosten der Reparatur auf
36 Tausend Zloty schätzte. Der Grund für eine solch hohe Summe,
war die Notwendigkeit ein sehr hohes Gerüst aufzubauen. Nach
einigen Überlegungen hat sich der Einwohner Jan Stoklosa mit
seinem Helfer dazu entschlossen, die Reparatur selber
durchzuführen. Das war vor Weihnachten und die Temperatur wahr
sehr niedrig. Herr Stoklosa kletterte auf den Kirchturm so weit
es ging. Er machte ein Fenster, durch das er einen sehr langen
Stab steckte. Das half ihm an die Spitze zu kommen. Als er neben
dem Kreuz war, befestigte er Leine, die zur Absicherung dienten.
Doch als er das Kreuz berührte, stürzte es und fiel auf Dach, wo
es ein Loch machte. Herr Stoklosa musste es holen und wieder
raufklettern. Das Kreuz musste mit Leinen raufgezogen werden, da
es 100 Kilogramm schwer und 2,20 Meter groß ist. Alles ist gut
gelaufen und das Kreuz stand. Der damalige Pfarrer hatte solche
Angst um die Arbeiter, weswegen er aus dem Dorf weggefahren ist,
um das nicht mit anzusehen.
1943 existierte in
Pokrzywnica ein Arbeitertrupp von britischen Gefangenen des
Lagers Łambinowice- Kommando Stalag VIII
B Lamsdorf (das war ein Arbeitskommando).
1944 legte die
deutsche Armee Minen entlang der Oder. Es gab Minen vor allem
auf Feldern, auch in Pokrzywnica. Vor dem Eintritt der
sowjetischen Armee beschlossen die deutschen Mächte die Menschen
zu evakuieren. Diese wollten aber ihre Häuser nicht verlassen.
Als die Rote Armee kam, verließen die Menschen die Dörfer. Nur
die älteren, die Polnisch sprachen sind geblieben. Laut der
heutigen Einwohner, sind die meisten der Flüchtlinge nach
Regensburg zur Fabrik von Messerschmitt (heute BMW Fabrik)
geflüchtet, einige nur in die Nähe, nach Walce. Als sie die
Situation dort sahen, beschlossen sie zurück zu kehren. Doch
leider mussten sie zu Fuß laufen, da die Pferde mit den Wagen
die Armee besetzt hat.
Pokrzywnica wurde
durch die 344 Division beschützt., die in der Gegend von
Pokrzywnica und Dobieszowice Geschütze hatte. Der Anführer war
Joachim Lederer (Foto 14).
Am 23 Januar 1945
ist die 314 Division nach Kędzierzyn- Koźle gekommen. Am 18 März
1945 um 2:00 Uhr wurde Pokrzywnica, oder was davon geblieben
ist, durch die Rote Armee besetzt. Mit dem Rückzug der deutschen
Truppen evakuierte man den Rest der Einwohner, aber nur die
Personen, die es wollten.
Seit 1945 führte
man ein Überprüfung der Eingeborenen, um zu Prüfen, ob man eine
Polonisierung durchführen kann. Dies dauerte bis 1949. Die
Personen, die dazu nicht in Frage kamen, mussten ihre Häuser
verlassen und nach Deutschland ziehen. 1945 sind in Pokrzywnica
nur 148 Einwohner geblieben.
Im Herbst 1945 sind
19 Familien von Osten (ca. 150 Personen) nach Pokrzywnica
gekommen. Die meisten kamen von Hanaczów. Mit den Umsiedlern kam
Pfarrer Gościński zu unserer Pfarrgemeinde.
Im Januar 1946
entstanden die Gemeinden. Pokrzywnica gehörte damit zu Większyce.
1965 versprach die
Kommunistische Herrschaft in ihrem Wahlprogramm eine Molkerei in
Pokrzywnica zu bauen. Daraus wurde aber nichts.
In den 70er Jahren
entstand eine Volksmusikgruppe unter dem Namen „ Żanuarie aus
Pokrzywnica” (Foto 15) (Foto 16). Die Gruppe zählte 20 Frauen
und war zum Ende der 80er Jahren tätig.
Am 1 Januar 1973
fand eine erneute Verwaltungsreform statt, n folge dessen
Pokrzywnica zur Gemeinde Reńska Wieś angeschlossen wurde, zu der
sie bis heute gehört.
1980 wurde der
Friedhof renoviert. Alte Bäume wurden rausgerissen und man
pflanzte Nadelbäume. Ein neuer Zaun wurde aufgestellt und
Betonwege gemacht (Foto 17). Auf dem Friedhof befinden sich auch
Gräber von
gefallenen deutschen Soldaten (Foto 26). Ein befindet sich im
Wald (Foto 25). Der Soldat, der dort begraben ist wurde von den
Sowjetischen Truppen erschossen.
Eg gab auch ein
Frauenkloster, in dem ca. 5 Schwestern lebte. Am Anfang des 20
Jh. Führten się ein Kinderheim (Foto 18). Sie haben sich um
Kranke und um die Kirch gekümmert. Außerdem lehrten sie an der
Grundschule. Das Kloster wurde Ende der 80er Jahre aufgelöst.
In der ersten
Hälfte der 80er Jahre wurde in Pokrzywnica die Fernsehserie „Blisko
coraz bliżej” gedreht.
Am 13 Dezember 1981
wurde der Kriegstand erklärt. Die Einwohner des Dorfes konnten
vorbeifahrende
Panzer beobachten.
1983 wurde die
Grundschule renoviert.
1995-1996 führte
man eine Renovierung der Kirche durch. Die Dachziegel wurden
erneuert, die Innen- und Außenwände neu gestrichen.
Am 31 Oktober 1998
starb der langzeitige Pfarrer der Gemeine, Pfarrer Tadeusz
Stonoga.
Im August 2000
starb die Orgelspielerin Edeltraud Dworski, die 50 Jahre lang
währen allen Messen und Gottesdiensten spielte. Sie hat im Alter
von 10 Jahren angefangen zu spielen. Frau Edeltraud hat auch
einen Chor geleitet, der nach ihrem Tod aufgelöst wurde. Die
Anfänge des Chors reichen bis zum Zweiten Weltkrieg. Nach dem
Krieg wurde er von Anna Zając geleitet.
Natürlich müssen
wir auch Zygfryd Dworski erwähnen, der Leiter der Blaskapelle
und Dirigent des Chors war. Heute leitet die Kapelle Jerzy
Świętek (Foto 30). Herr Zygfryd Dworski und Womasz Wilner
spielen abwechseln in der Kirche an der Orgel.
Fronleichnam wir in
unserem Dorf auch feierlich begangen. Das ganze Dorf wird in die
Vorbereitungen engagiert. Die Einwohner bereiten Altäre vor, die
Straßen sind mit Läufern aus
bunten Blüten und Sägespänen geschmückt (Foto 21). Diese
Tradition hat die Schwester von Pfarrer Józef Lampka angefangen.
Sie wurden zur ersten Firmung in unserem Dorf gemacht. Bischof
Kominek, die die Firmung erteile, fand die Läufer so schön, dass
er sie übersprungen hat um sie nicht zu zerstören.
Jedes Jahr vor der
Fastenzeit wird ein Bär geführt (Foto 31). Früher wurde die
Tradition von Männern durchgeführt. Da in der heutigen Zeit die
Männer häufig ins Ausland zur Arbeit fahren, haben es die Frauen
übernommen.
In unserem Dorf
werden verschiedene Feiern organisiert. Dazu zählt auch das
Sportfest. Sehr populär ist das Fußballturnier „Ende gegen
Ende”.
Im Sommer beginnen
die Frauen eine Erntefestkrone zu machen (Foto 27). Es ist eine
zeitaufwendige aber auch kreative Arbeit. Nach der Ernte nehmen
die Landwirte und Einwohner an einer feierlichen Messe teil und
danach feiern sie.
Die Tradition, des
„Federnzupfens” verschwindet. Frauen haben sich in einem Haus
getroffen, wo się Gansfedern gezupft haben, die zum ausstopfen
von Kissen dienten. Es dauerte einige Tage. Es wurde getratscht
und gesungen. Am letzten Tag wurde eine Feier organisiert, der
sogenannte „Federball”. Die langen Winterabende wurden dadurch
kürzer.
Eine Tradition, die
schon ganz verschwunden ist, ist das Fertigen von Kränzen für
Allerheiligen. Diese
Traditionen haben früher die Einwohner zusammengeschweißt.
Pokrzywnica wurde
in der Vergangenheit von einer Pest heimgesucht. Die Einwohner
beschlossen, zum Dank, dass ihre Gebete erhört worden sind,
jedes Jahr nach Gościęcin zur Holzkirche des Heiligen Brixen zu
pilgern (Foto 22). Pokrzywnca wurde auch durch andere
Katastrophen heimgesucht: 1879
Überschwemmung, 1889 Hagelschlag und Überschwemmung, 1890
und 1891 Überschwemmung, 1902 große Regenfälle, 1903 Regen, 1940
Orkan- dieses Jahr war ein Jahr des „Leidens”, es handelt sich
wahrscheinlich um den Anfang des Krieges vor einem Jahr.
Fast niemand weiß,
dass Pokrzywnica früher ein eigenes Wappen hatte. Das Siegel mit
dem Wappen, wurde auf einem Plan eines Hauses gefunden (Foto
28).
In der Umgebung von
Pokrzywnica befindet sich ein 200 Hektar großer Wald, um den
sich der Jagdkreis PONOWA kümmert (Foto 23). Zum Kreis gehören
einige unserer Einwohner, der Leiter ist Herr Bernard Wrazidło.
Jeden Frühling
kommen Storche nach Pokrzywnica zurück (Foto 24).

