GESCHICHTE DER PFARRGEMEINDE

 

Bis Pokrzywnica eine eigene Gemeine wurde, gehörte sie zusammen mit Komorno zur Twardawa. Die Einwohner mussten 6-8 Kilometer zur Kirche fahren. 1740 gab es in Pokrzywnica eine St. Sebastian Kapelle (Foto 1). Die Kirchweihe wird am 20 Januar begangen.

 

In der  Kapelle konnten nur 100 Personen Platz finden. Die Messen wurden nur zur Kirchweihe, Hochzeiten oder Beerdigung gehalten Die Geschichte besagt, dass der Pfarrer in der Gemeine Twardawa wollte, dass es in Pokrzywnica eine Kirche gibt. Deswegen hat er in seinem Testament 3430 Mark der Gemeinde Pokrzywnica verordnet. Seine Nachfolger konnten das nicht ignorieren, deswegen hat der Pfarrer Jan Nickiel beschlossen eine Kapelle in der Größe 16x11 Meter.

 

Die Pläne wurden jedoch von der Breslauer Kurie nicht akzeptiert. Als Grund wurde ein schlechter Standort genannt- von beiden Seiten eine Straße, vor der Kapelle ein weiter und tiefer Graben, der im Frühling viel Wasser aufnimmt. Die Kapelle stand da, wo jetzt die Feuerwache ist. Als Erinnerung steht daneben ein Kreuz.

 

Am 5 Dezember 1892 hat der Pfarrer Boehm den Gemeinerat zusammengerufen und stellte zwei Fragen: was und wo wollen wir bauen?

 

Emanuel Moschek hat ein Feld neben dem Friedhof, zum Bau einer Kirche gespendet. Obwohl die Lage optimal war, konnte man die Kirche nicht bauen, wegen schlechter Erde.

 

In dieser Zeit stieg die Zahl der Einwohner in Pokrzywnica und Komorno zu 1000 und 521 Einwohner. Im Schreiben von Pfarrer Knop vom 4 September 1893 stand es, dass die Kirche zum Zentrum einer neuen Gemeine werden soll und man dazu einen gerechtfertigten Standort finden soll. Das Kapital beträgt 11 826 Mark.

 

Erst als der Landwirt Jan Gomółka den Preis des Grundstücks senkte (2700 Mark) begann Pfarrer Boehm die Arbeiten. Man kaufte noch eine Morge von Urbiczek und damit besaß die Gemeinde ein Grundstück von 1 Hektar.

 

Am 14 Januar 1909 wendete sich Pfarrer Boehm an die Breslauer Kurie, da er nur die Hälfte des benötigten Kapitals besaß (30 000 Mark).

 

Am 7 August 1909 hat der Kardinal Kopp eine Subvention für den Bau der Kirche versprochen. Er hat auch geraten, dass sich die Gemeine um eine Erlaubnis zum Bau kümmert.

 

Mit dem 23 August 1909 gehört Pokrzywnica und Komorno nicht zur Gemeinde Twardawa.

Der Kostenvoranschlag betrag 64 450 Mark. In der Kirchenkasse befanden sich 36 000 Mark, also fehlten 28 450 Mark.

 

Der Gemeinderat bewilligte den Bau der Kirche. Zum Rat zählten: Breitkopf- Vorsitzender, Michael Pander, Plitzko, Wrazidło, Stosch, Bugiel, Peter Pander, Joh Moschek, Kolezko, Skrobek.

 

Am 9 Februar 1910 und am 5 März 1910 hat die Breslauer Kurie und das Amt in Opole die Pläne genehmigt. Architekt war Ludwik Schneider aus Wrocław und der Bauleiter Herr Hahn aus Gościęcin.

 

Der Bau begann. Am 5 April 1910 wurde der Grundstein von Pfarrer Banner aus Walce geweiht. Man brauchte 20 Jahre für den Bau. Das erste Geld wurde 1889 gesammelt.

 

Die Kosten:

 

  1. Grundstück und Maurerarbeiten                               13 500 M
  2. Materialien und Steinarbeiten                                   15 300 M
  3. Schallerarbeiten                                                         6 900 M
  4. Dachdeckerarbeiten                                                  4 100 M
  5. Klempner                                                                   1 200 M
  6. Tischler                                                                      3 350 M
  7. Schlosser                                                                   700 M
  8. Schmied                                                                    450 M
  9. Glaser                                                                        900 M
  10. Maler                                                                         1 200 M
  11. Abschlussarbeiten                                                     9 150 M
  12. Transport                                                                   3 300 M
  13. Architekt                                                                   4 200 M

 

Zusammen                  64 450 M                                          

 

Wie es bei solchen Arbeiten manchmal ist, sind die Kosten gestiegen. Die Kirche wurde für 74 276,61 M gebaut.

 

  1. Baustoff                                                                    15  455,75 M
  2. Grundstück, Maurer- und Abschlussarbeiten                17 933 M
  3. Dachdecker                                                               7 316,67 M
  4. Schlosser und Schmied                                              1 756, 54 M
  5. Tischler                                                                     3 440,75 M
  6. Glaser                                                                       2 100 M
  7. Maler                                                                        3 326,94 M
  8. andere Arbeiten                                                         106,60 M
  9. Ausstattung                                                               17 432 M
  10. Honorar und Bezahlung                                               4 361 ,36 M

 

Zusammen: 74 276,61 M

 

Das Geld für den Bau kam von:

-        einem Fonds der Familie Pliszko- 12 667,98 M

-        der Kurie- 20 000 M

-        Kollekten und Gaben- 28 075,12 M

 

Als hatte die Gemeinde 60 743,10 M. Es fehlten 13 536,51 M. Man hat einen Kredit aufgenommen und durch die Erhöhung der Kirchensteuern sollte er abgezahlt werden (Foto 2).

 

Der Bau der Kirche dauerte nur 1 Jahr. Am 26 Mai 1911 wurde die Kirche von Dekan Józek aus Ucieszków geweiht.

 

Man began die Kirche auszustatten. Den Hauptaltar hat Herr Emanuel Moschek gestiftet (Foto 3), den Altar der Muttergottes des Rosenkranzes Herr JohannBreitkopf (Foto 4), das Kreuz Franziska Sajonz geb. Breitkopf, das Ewige Licht Leopold Kandela (er war kein Einwohner von Pokrzywnica). Die Kronleuchter hat der Handwerker Hahn angefertigt. Die Ausstattung hat 17 432 M gekostet. Das Bild des St. Sebastian hat Herr Besta gemalt. Er kostete 1 050 M. Die Kanzel und das Dachgeschoss hat der Tischler Herr Grab aus Nysa gebaut. Die Monstranz hat Pfarrer Gustaw Boehm aus Twardawa gekauft.

 

Der erste Pfarrer in Pokrzywnica war Wincenty Ruda, Vikar aus Twardawa. Pfarrer Ruda begann das Gemeindebuch zu schreiben. Die erste Taufe fand am 5 April 1914 statt, die erste Beerdigung am 7 April 1914 und am 26 Mai 1914 die erste Hochzeit.

 

Der Nachfolger von Pfarrer Ruda wurde Edmund Mleczko. Er war nur kurz in der Gemeinde, vom Juni 1915 bis zum Juli 1919. Später wurde er nach Berlin versetzt.

 

Von August bis November 1916 war Kuratus Foik der Pfarrer in Pokrzywnica.

 

Danach kam Pfarrer Josef Woehl (von November 1916). Am 11-12 August 1917 wurde die alte Holzkapelle abgebaut.

 

Am 1 Mai 1917 bekam Pokrzywnica die Information, dass die Kirchglocken konfisziert werden sollen. Die eine war St. Josef mit 415 Kilogramm, der zweite St. Maria mit 216. sie sollten bis zum 15 Juni in den Landrat oder auf einen Bahnhof gebracht werden. Für jedes Kilogramm sollte die Gemeine 1 M Entschädigung bekommen. Die Einwohner meinten „keine Glocken dürfen den Krieg gewinnen”, der Autor der Chronik schreib „so war es auch”.

 

Nach dem Ersten Weltkrieg hat sich der Pfarrer Woehl um neue Glocken bemüht. Leider hat das gesammelte Geld nicht gereicht, da die Firma Urlich aus Thüringen 2570, 50 M verlangt hat. Leider ist die Inflation sehr rasch gestiegen und 1921 konnte man für das Geld von 2 Glocken nur ein Pfund Butter kaufen.

 

Pfarrer Woehl war in der Gemeinde bis 1926.

 

Die Nachfolger waren Pfarrer Schuette, Kreis und Kania. Sie waren nur kurz in Pokrzywnica.

 

Ab 1933 war Karol Feicke Pfarrer in Pokrzywnica, bis 1945.

 

Seit der Front bis März 1946 war Pfarrer Gościnski mit seinen Gemeindemitgliedern aus Hanaczów  in unserem Dorf.

 

Der nächste Pfarrer war Józef Lampka (Foto 5). Er diente seit 1946 bis zu seiner Abreise nach Deutschland 1974.

 

Über mehrere Dekaden war in Pokrzywnica ein Frauenkloster, wo 5 Klosterfrauen lebten. Am Anfang des 20 Jh. führten sie ein Kinderheim (Foto 6). Sie kümmerten sich um kranke und um die Kirche. Sie lernten auch an der Schule. Das Kloster wurde in den 80er Jahren geschlossen.

 

Am 21 Juni 1973 kam Vikar Tadeusz Stonoga (Foto 7). Der Grund dafür war die Krankheit von Pfarrer Lampka. Der neue Vikar wurde von dem Pfarrer gut empfangen, er soll zu ihm gesagt haben: „wache du jetzt über die Gemeine, ich werde beten”.

 

Am 5 August 1975 wurde Tadeusz Stonoga von Bischof Jop zum Pfarrer ernannt. In der Zeit war die materielle Situation von Pokrzywnica nicht sehr gut. Die Kirche war dunkel, und schmutzig, es gab keine Beleuchtung, die Heizung funktionierte nicht, das Dach war nicht gut gemacht, rund um die Kirche wuchsen Gebüsche. Das Pfarrhaus sah auch so aus. Dank den Bemühungen des Pfarrers und der Ganzen gemeint wurden die folgenden Arbeiten gemacht:

 

     -1975 die Erstellung und Montage eines Rosenkranzes über dem Altar der Muttergottes (der            Künstler war vor allem Leszek Łamasz)

-        1976 der Bau eines Religionssaals

-        1979 Malerarbeiten im Inneren der Kirche, Montage der ersten Beschallung

-        1980 Arbeiten auf dem Friedhof

-        1983 Arbeiten im Pfarrhaus

-        1985 der Bau der Kirche in Komorno hat begonnen

-        1995 die Ziegel wurden gewechselt

-        1996 Renovierung der Außenfassade

-        1998 Bau einer Kapelle auf dem Friedhof

 

Die meisten der älteren Einwohner erinnern sich daran, dass der Pfarrer vor jeder Messe die Einwohner begrüßt hat. Ein schöner Brauch, den Pfarrer Stonoga angefangen hat ist das Singen von Marienliedern mit Kindern und Jugendlichen bei der Grotte, nach jeder Andacht im Mai (Foto 8).

 

Pfarrer Tadeusz Stonoga starb am 31 Oktober 1998. Der Sarg wurde in der Kirche ausgestellt und die Feuerwehr hat Tag und Nach Wache gehalten. An der Beerdigung nahm die ganze Gemeinde und Gäste teil. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof in Pokrzywnica (Foto 9).

 

Am 9 November 1998 wurde Benedykt Spyrka zum neuen Pfarrer ernannt (Foto 10). Er organisiert viele Pilgerfahrten, lädt Pfarrer ein, die interessante Predigten halten. Er engagiert auch Kinder und Jugendliche in das Leben der Gemeinde. Durch Treffen mit Jugendlichen, das Erinnern an die Gebote versucht er die Gemeindemitglieder vor Sünden zu bewahren.

 

Seit Pfarrer Spyrka in der Gemeinde ist, sind folgende Arbeiten durchgeführt worden:

 

-        Renovierung des Pfarrhauses (Foto 11)

-        der Gehweg um die Kirche wurde gepflastert

-        1999 wurde ein Missionskreuz aufgebaut (Foto 12), der von Vater Henryk Kałuża geweiht wurde

-        Renovierung der Orgel (Foto 13)

-        die Beschallung wurde ausgewechselt

-        Renovierung des Turmes: die Decke, Treppe und die Leitern wurden ausgewechselt

-        Renovierung der Figur des St. Jan Nepomutzen

 

Pfarrer Benedykt plant auch die Heizung auszuwechseln, die Innen- oder Außenfassade zu streichen, die Renovierung oder der Austausch der Bänke. Diese Arbeite erfordern viel Geld und man weiß nicht welche Arbeiten 2011 gemacht werden.

 

Eine Tradition ist das jährliche Pilgern. Im Juni pilgern die Einwohner zur Kirche des Heiligen Brixen und im August zu St. Annaberg. Es gibt auch Prozessionen zu den drei Kreuzen (Foto 14).

 

Fronleichnam wir in unserem Dorf auch feierlich begangen. Das ganze Dorf wird in die Vorbereitungen engagiert. Die Einwohner bereiten Altäre vor, die Straßen sind mit Läufern aus  bunten Blüten und Sägespänen geschmückt (Foto 15). Diese Tradition hat die Schwester von Pfarrer Józef Lampka angefangen. Sie wurden zur ersten Firmung in unserem Dorf gemacht. Bischof Kominek, die die Firmung erteile, fand die Läufer so schön, dass er sie übersprungen hat um sie nicht zu zerstören.

 

Zu unserer Gemeinde gehört die 1987 gebaute Kirche in Komorno (Foto 16). Jeden 13ten jedes Monats, von Mai bis Oktober finden Gottesdienste zum Gedenken an die Patronin.

 

Um unseren Friedhof kümmert sich Frau Helena Kura, sie organisiert alles. Wir danken Frau Helena und ihrer Familie für ihr Engagement. Wir danken auch allen Gemeindemitgliedern die den Friedhof sauber halten.

 

Am 30 Mai 2009 wurde der Einwohner von Komorno Adam Gromada zum Pfarrer geweiht. Am 31 Mai wurde in der Kirche in Komorno seine Primiz gefeiert und um 16 Uhr fand eine Maiandacht mit der Teilnahme von Pfarrer Gromada statt. Fotos unter Primiz.

Am 29.05.2011 feierte unsere Gemeinde St. Sebastian in Nesselwitz hundertjähriges Jubiläum der Kirchweihe. Die feierliche Messe leitete seine Eminenz Bischof Jan Kopiec. Am Altar wurde Er von Pfarrer Benedykt Spyrka und Pfarrer Adam Gromada.

An den Feierlichkeiten nahmen auch Pfarrer der Nahbargemeinden und die Vertreter der Gemeinde teil.

Auch die Gemeindemitglieder mit ihren Gästen sind zahlreich zur Messe und zum Gottesdienst erschienen.

Die erschienen Priester und eingeladene Gäste haben zusammen mit dem Pfarrer nach der heiligen Messe ein Mittagessen im Restaurant Acropolis zu sich genommen.

Während des Nachmittagsgottesdiensts stellte die Jugend aus Nesselwitz ein Spektakel unter dem Titel „Christus’s Ritter“ vor. Die Aufführung stellte das Schicksal des St. Sebastian, des Märtyrer dar. Die jungen Darsteller wurden mit großem Beifall belohnt.

Nach dem Gottesdienst gingen alle Gemeindemitglieder zusammen mit Pfarrer Benedykt Spyrka zum DFK-Saal um zu feiern. Kinder sind aufgetreten und das Blasorchester hat gespielt. Einige Gemeindemitglieder wurden durch den Pfarrer mit Geschenken ausgezeichnet. Alle Gäste konnten schlesischen Käsekuchen, Würstchen und Salat probieren.

Diese außergewöhnliche Zeit bleibt lange in unserer Erinnerung.

 

 

 

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